Tagträume in Transsilvanien

Der rumänische Blick nach Westen

Die Stadt Cluj, früher Klausenburg, ist - ähnlich einigen anderen Städten in Siebenbürgen - ein Zuchtort für musikalische Hochleistungskünstler. Hunderte Kinder besuchen schon im Grundschulalter öffentliche Eliteschulen mit den Hauptfächern Klavier, Gesang, Violine. Fast täglich finden mehrere Konzerte statt; selbst in den Caféhäusern erklingen abends Brahms- und Schostakowitsch-Werke.

Der Hintergrund dieses Kulturwunders ist eher trist: Erfolg im Konzertsaal erscheint vielen Eltern als einer der wenigen verbliebenen Fluchtwege aus der rumänischen Misere. Das Tragische daran: Die Inflation an jungen Virtuosen senkt ihren Marktwert. Es gibt schon zu viele rumänische Künstler erster Kategorie in Europa. Der meist aussichtslose Kampf um den Platz auf dem Podium beginnt immer früher.

Da gibt es aber auch die anderen: eine noch kleine, pragmatisch denkende Gründerschicht, die aus dem Wirtschafts-Gefälle zwischen Ost- und Mitteleuropa Vorteile zieht. In ihren Mittelklassewagen - Handy am Ohr - ziehen diese jungen Europäer an der lahmenden Gesellschaft souverän vorbei.