Lenin kehrt zurück

Eine Zeitreise zum Finnischen Bahnhof in St.Petersburg

Diesmal kommt Wladimir Iljitsch nicht im plombierten Waggon als "Zeitbombe" mit deutschem Passepartout, um den Bürgerkrieg anzuzetteln. Er trifft Erster Klasse im "Sibelius"-Express aus Helsinki ein, und wie jedes Mal bei Ankunft des internationalen Schnellzugs scheppert die St.Petersburger Hymne aus den Lautsprechern. Damals, im April 1917, verhieß er dem Petrograder Proletariat vom Panzerwagen "Feind des Kapitalismus" herab das goldene Zeitalter. Jetzt geht Lenin inkognito an der Lokomotive Nr. 293 vorüber, die als Denkmal an seine kurze Flucht nach Finnland im Sommer 1917 erinnert, über den Lenin-Platz und durch das recht trostlose Viertel auf der Wybor-ger Seite. Und er sieht und hört, was von seinem Traum geblieben ist. Das Mikrophon des Autors registriert die Tag- und Nachtgeräusche der Stadt rund um den Finnischen Bahnhof: Szenen mit Bahnbeamten, Reisenden, Straßenhändlern und trotzigen Altkommunisten, mit Bettlern und Obdachlosen und einer Agitatorin der "Juden für Jesus" (Hauptsitz San Francisco).

Ein Feature über Vergangenheit und Gegenwart des zweitgrößten Bahnhofs von St.Petersburg und seiner Umgebung - und ein knappes Jahrhundert sowjetisch/russischer Geschichte.