Auf der inneren Leinwand

Der Atmofilm

Im weiten Feld "zwischen Nachricht und Drama" (Alfred Andersch) kann Feature alles sein - nackte Wort-Erzählung, wie sie der große Radioplauderer Horst Krüger so faszinierend beherrschte, Reportage, Montage. Aber auch der gestaltete "reine Ton": Atmo- oder Hörfilm. Film für die Ohren.

Die Herstellung erscheint zunächst verlockend leicht: keine mühselige Faktensammlung, keine Manuskript-Arbeit; das Mikrophon in die Luft halten und los. Der Rest: nur noch pures Studio-Vergnügen, wie Kochen. Man rührt etwas zusammen, schmeckt ab, serviert - fertig ... Schön wär's (und langweilig) !

PROBLEM NUMMER 1:

Sobald wir das Mikrophon in die Hand nehmen, beginnt die "Manipulation" (von lat. manus, die Hand, bzw. franz. manipuler, handhaben). Schon die Beschaffenheit der Aufnahmeapparatur, das verwendete Speicherma-terial, der praktische Umgang mit den Geräten, Wetter, Jahres- und Tageszeiten, Wahl des Orts, der Richtung, des Aufnahmewinkels u. s. w. entscheiden über den akustischen Eindruck, den das Hörpublikum von der 'objektiven Wirklichkeit' erhalten wird.

Die Eins-zu-Eins-Aufnahme ist also keineswegs 'die Wirklichkeit' und schon gar nicht 'die Wahrheit', vielmehr weitgehend ein Zufallsprodukt - während es doch darum geht, das Charakteristische eines Ortes / einer Situation zu übermitteln. So gerecht unsere Sache auch sein mag - unfreiwillig sind wir O-Ton-Arbeiter chronische Manipulateure.