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Irland steigt auf den heiligen Berg Croagh Patrick - und Helmut Kopetzky steigt mit (DLR Berlin, 2003)

Er war schon zum dritten Mal auf dem heiligen Berg im Westen Irlands dicht am Atlantik, in der früher so bettelarmen Grafschaft Mayo. Der Autor (ungläubig seit vielen Jahren) versucht in seinem Feature die kaum mit Worten zu beschreibende Faszination dieser Massenwallfahrt hörbar zu machen. Mit 30 000 anderen stieg er an einem letzten Juli-Sonntag auf den "Reek", den "Heuhaufen" - keine 800 Meter hoch, aber steil, mit losem Geröll an den Flanken. Seit 1500 Jahren stapfen, keuchen, torkeln die Pilger auf diesen graugrünen, oben fast schwarzen Berg, wo St. Patrick, der Missionar Irlands, im 5. Jahrhundert 40 Tage lang gebetet, gefastet und die Schlangen von der Insel verscheucht haben soll. Damals war diese Gegend ein Zentrum der heidnischen Welt. Kopetzky erinnern die Pilger - viele von ihnen barfuss oder gar auf den Knien steigend, die halbnackten Teenager in ihren durchweichten Turnschuhen, die Frau mit dem Baby im Arm und der Alte auf Krücken - tatsächlich an "eine Horde, einen halbwilden Stamm, Druiden, Kelten ... getaufte Heiden ". Das Mikrophon - regennass, vom Wind gebeutelt - ist dabei.