Berg der heiligen Zwietracht

Felsendom und Klagemauer - Wem gehört Jerusalem ?

Der Dialog mit IHM - so ein gängiges Bonmot - ist in Jerusalem ein Ortsgespräch. Mittlerweile reicht die Hotline bis auf jeden Schreibtisch. Alle 60 Sekunden ein neues Bild der Klagemauer - live im Internet. Der Surfer kann Gebete abrufen oder seine Anliegen virtuell in den Mauerritzen deponieren. Bei Unklarheiten hilft ein Mausklick auf das Ikon "Ask a Rabbi". Eine arabische Website listet "Israelische Akte der Aggression gegen die Al-Aqsa-Moschee" seit Juni 1967 auf. Muslime beschuldigen die Regierung in Jerusalem, Pläne zur Zerstörung ihrer heiligen Stätten und Errichtung eines "Dritten Tempels" insgeheim zu unterstützen. Jüdische Autoren brandmarken den Kult um den "Tempelberg" (arabisch: Haram Esh-Sharif - das "Vornehme" oder "Erhöhte Heiligtum") als politisch motiviert und "widerlegen" seitenlang dessen religiöse Bedeutung für die Muslime.

Zur Zeit (2000) tobt der Kampf um die doppelte Kultstätte und, damit unlösbar verbunden, um den Status von Jerusalem vor allem im World Wide Web - ein Krieg der Schriftgelehrten und Propagandisten. Aber dieser Ort der Symbole bleibt auch real hochgradig aufgeladen, ein Pulverfass; explosiv bis zu einer - derzeit kaum vorstellbaren - politischen Lösung.

Das von der Christenheit gefeierte "Heilige Jahr" 2000 lenkt die Aufmerksamkeit der Welt wieder nachdrücklich auf diesen politisch-religiösen hot spot. Helmut Kopetzky hat ihn besucht. Er unterhielt sich mit gläubigen Muslimen, orthodoxen Juden und säkularen Israelis.