Millionen Afrikaner strömen zu den medienwirksamen Auftritten des deutschen Predigers Reinhard Bonnke. Die "Igreja Universal do Reino de Deus" des selbsternannten Propheten und Dollarmilliardärs Idir Macedo besitzt über 2000 Tempel, 22 Radiosender und 16 Fernsehstationen, darunter die zweitgrößte Senderkette Brasiliens. Global operierende "Prosperity churches" predigen Häuser, Autos, Farbfernseher, Glück. Ihre Botschaft heißt: "Hör auf zu leiden ! Gott liebt die Armen aber nicht die Armut ! Reich werden ist keine Sünde ! Wer uns gibt, dem wird gegeben !"

Spiegelbildlich zum politischen Herrschaftsanspruch des "Islamischen Fundamentalismus" spielen auch "christliche" Politiker seit 20 Jahren immer häufiger die Religionskarte. Vor allem in den USA, in God's Own Country, wächst der Einfluss charismatischer und evangelikaler Gruppen. So unterstützte der US-Geheimdienst CIA jahrelang die "Wohlstands-Religionen" Südamerikas als nützliche Konkurrenten der katholischen Befreiungslehre marxistischer Prägung. Unter ihrer neuen Frontfrau, Roberta Combs, hat die politisch einflussreiche "Christian Coalition" das Headquarter aus "strategischen Gründen" in das Machtzentrum Washington verlegt. Schon zur Zeit des Golfkriegs 1991 drängte sich Star-Evangelist Billy Graham, die Ikone des rechts-konservativen Amerika, an die Seite von George Bush, dem Älteren. Und zur Amtseinführung von Bush Junior sprach Franklin Graham das Gebet. Christen und Moslems sind für den Predigersohn aus den Bergen North-Carolinas "ewige Feinde".

"Spiritual warfare" - "geistliche Kriegführung" - heißt der Endkampf zwischen Gut und Böse im Jargon der militanten Christen. Haupt-Kampfgebiete sind Lateinamerika, Afrika und - mit gewaltigen Zuwachsraten - Osteuropa.